Sicher hoch hinaus: Arbeiten auf Leitern

Checkliste mit nützlichen Sicherheits-Tipps als Download


23.700 meldepflichtige Arbeitsunfälle gab es im Jahr 2016, die im Zusammenhang mit Leitern standen – das sind jeden einzelnen Tag etwa 65! Die Dunkelziffer ist noch viel höher, denn diese Zahl beinhaltet nur die meldepflichtigen Unfälle mit Leitern, also Unfälle, die eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 3 Tagen oder gar noch schlimmere Folgen nach sich gezogen haben, wie zum Beispiel den Tod oder die Verrentung. Oft werden die Folgen eines Leiternunfalls unterschätzt, es handelt sich ja „nur“ um einen Sturz aus relativ geringer Höhe. Dabei stehen etwa 50 % aller Absturzunfälle mit schweren und schwersten Folgen im Zusammenhang mit Leitern

Sind Leitern also so alltäglich, dass wir bei der Benutzung gar nicht mehr daran denken, wie gefährlich ein Absturz sein kann? Beim Aufstieg wackelt‘s ein bisschen, das macht aber nichts, es ist doch noch immer gut gegangen … Denken Sie besser nicht so, sondern halten Sie die Vorschriften und Tipps ein, die es ja reichlich gibt. Wir haben die wichtigsten für Sie zusammengefasst. Außerdem berichten wir von der neuen Leiternorm – die kann auch Betriebe betreffen.

 

Neue Leiternorm DIN EN 131

Neuerungen für sichere Leitern bringt die geänderte Norm DIN EN 131 mit sich. Natürlich ist die Einhaltung von Angaben aus Normen keine gesetzliche Pflicht, wenn Sie aber Produkte kaufen oder Bedingungen erfüllen, die in Normen vorgegeben sind, können Sie davon ausgehen, dass Sie die gesetzlichen Sicherheitsvorschriften einhalten. Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte der Norm folgen. Demnach werden Leitern seit Januar 2018 in zwei Gruppen eingeteilt: Solche für den privaten Gebrauch und solche für den gewerblichen Gebrauch, zu erkennen an Piktogrammen. Für den Betrieb sollten Sie natürlich Leitern aus der zweiten Kategorie wählen.

Die neue Leiternorm legt ihren Schwerpunkt außerdem auf Standfestigkeit. Mangelnde Standsicherheit ist schließlich Ursache für 90% der Leiternunfälle! Anlegeleitern mit mehr als drei Metern Länge sollen laut der DIN EN 131 standfester werden, indem sie eine Quertraverse erhalten oder konisch gebaut werden. Ist ein Schiebeteil einer Mehrzweckleiter länger als 3 Meter, darf es nur abnehmbar sein, wenn es ebenfalls mit einer Traverse ausgestattet ist und damit die Vorgaben für Standsicherheit erfüllt.
Sie müssen jetzt aber nicht alle alten Leitern, die nicht diesen Vorgaben entsprechen, wegwerfen. Wie so oft in der Betriebs- und Arbeitssicherheit gilt: Gewährleisten die vorhandenen Mittel ausreichend Sicherheit, können Sie sie weiter verwenden. Im Zweifelsfall können Sie Leitern mit einer Traverse nachrüsten lassen.

 

Leitern sicher verwenden: Das müssen Sie beachten!

Neben ortsfesten Leitern, wie dauerhaft befestigten Notleitern oder Wartungsleitern etwa in Rettungswegen oder Leitern an Maschinen und Anlagen, gibt es tragbare Leitern, zu denen die allseits bekannten Allzweckleitern, Stehleitern, Bockleitern, Teleskopleitern oder Plattformleitern mit einer eigenen kleinen Arbeitsfläche gehören. Eben alle Leitern, die Sie an einen beliebigen Ort bringen können. Bei der Benutzung solcher Leitern müssen Sie einige Punkte für Ihre Sicherheit beachten.

 

Vor dem Leiterkauf

Schon bevor Sie eine Leiter kaufen, sollten Sie nicht nur darauf achten, dass die Leiter hoch genug für Ihre Bedürfnisse ist. Beherzigen Sie auch folgende Punkte:

  • Grundsätzlich bieten Stufen besseren Halt als Sprossen. Bevorzugen Sie also Leitern mit Stufen.
  • Auf der Leiter sollte eine Kurzbetriebsanweisung bzw. Benutzungsanleitung angebracht sein. Diese zeigt in Piktogrammen, wie Sie die Leiter benutzen dürfen.
  • Stehleitern müssen eine sogenannte Spreizsicherung haben, also eine Kette oder ein Band, die oder das verhindert, dass die Leiter vollständig auseinanderklappt.
  • Einige Berufsgenossenschaften bezuschussen die Anschaffung bestimmter Podestleitern mit einer Arbeitsschutz-Prämie. Dafür gibt es eine "Liste der förderwürdigen Podestleitern". Dazu gehört zum Beispiel auch die einseitig begehbare und fahrbare Podestleiter von Krause®.
  • Das GS-Zeichen ist ein Indiz für ein sicheres Produkt.

    Tipp: Sie kennen die Warnung, aber beherzigen Sie sie auch? Basteln Sie sich keine Tritte oder Leitern aus Stühlen, Tischen und sonstigen Behelfsmitteln. Ein Absturz ist hier vorprogrammiert und aus Leichtsinn selbst verschuldet!

 

Leiteralltag im Betrieb: Prüfen und warten Sie regelmäßig!

Wenn die Leiter dann da ist, hören die Pflichten aber nicht auf. Damit sie auch über einen längeren Zeitraum ein sicheres Arbeitsmittel bleibt, müssen Sie folgende Vorgaben erfüllen:

  • Lagern und nutzen Sie die Leiter ausschließlich gemäß den Herstellerangaben.
  • Generell müssen Leitern einmal im Jahr von befähigten Personen geprüft werden. Diese müssen beauftragt werden.
  • Stellen Sie sich vor jedem Leiterneinsatz die Frage: Ist eine Leiter für die bevorstehende Aufgabe überhaupt das richtige Arbeitsmittel? Leitern sollten nur für „kurzzeitige Arbeiten geringen Umfangs“ verwendet werden. Sonst ist ein Gerüst zu stellen. Leitern dürfen für Arbeiten in mehr als 2 Metern Höhe zum Beispiel nur verwendet werden, wenn das nicht länger als 2 Stunden dauert. Außerdem darf der Beschäftigte auf einer Leiter höchstens 7 Meter über dem Boden, der sogenannten „Aufstellfläche“, arbeiten – so steht es in der DGUV-Information 208-016 „Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten“. Die Gefährdungsbeurteilung ergibt, welche die sichere und richtige Lösung ist.
  • Führen Sie vor jeder Leiternutzung eine Sichtprüfung durch: Sind alle Sprossen oder Stufen intakt? Sind die Verbindungen okay? Ist das Material einwandfrei …? Melden Sie Mängel an Arbeitsmitteln direkt dem Verantwortlichen und benutzen Sie fragwürdige Leitern auf keinen Fall!

     

    Sichere Arbeit auf Leitern

      Sie haben festgestellt, dass eine Leiter genau das richtige Arbeitsmittel für die anstehende Tätigkeit ist. Jetzt geht es daran, die Leiter sicher aufzustellen und dann auch sicher darauf zu arbeiten. Dafür gibt es folgende Sicherheits-Vorschriften:

      • Stellen Sie die Leiter auf ebenen, waagerechten, rutschfesten Untergrund.
      • Achten Sie auch darauf, dass der Untergrund fest ist, sodass die Leiter nicht einsinken kann. Beim Aufstellen auf Erdboden oder Grasflächen sollten Sie Stahlspitzen verwenden.
      • Der Winkel der Leiter zur Aufstellfläche sollte zwischen 65 bis 75 Grad liegen.
      • Öffnen Sie Stehleitern vollständig.
      • Besteigen Sie Anlegeleitern nur bis zur viertobersten Sprosse, Stehleitern bis zur drittobersten.
      • Außerdem sollte nur eine Person einen Schenkel einer Leiter besteigen. Zwei Personen haben zum Beispiel auf einer Anlegeleiter nichts verloren!
      • Wählen Sie die Leiterhöhe so, dass Sie sich bei der Arbeit nicht strecken müssen. Auch seitliches Hinauslehnen oder einseitige Kraftbelastung, etwa beim Bohren in harten Untergrund, sollten Sie vermeiden. Denn: 45 % der Abstürze von Leitern passieren, weil der Benutzer das Gleichgewicht verliert
      • Wer eine Leiter besteigt, sollte festes, rutschsicheres Schuhwerk tragen.
      • Wer eine Leiter besteigt, sollte keine Gegenstände transportieren, die mehr als 10 Kilogramm wiegen, und keine Stoffe und Geräte benutzen, die gefährlich sein könnten (etwa heiße oder ätzende Stoffe oder Geräte mit einer großen Krafteinwirkung).
      • Wer eine Leiter besteigt, sollte beide Hände frei haben.
      • Wenn Sie eine Leiter auf einen Verkehrsweg stellen, sichern Sie sie davor, dass sie jemand umstoßen könnte, zum Beispiel mit einer Absperrung.
      • Legen Sie Anlegeleitern nur an sichere Flächen an, also nicht an Glas, an unebene Flächen, an Stangen oder Masten …
      • Verwenden Sie Stehleitern nicht als Anlegeleitern.
      • Steigen Sie von einer Anlege-, Schiebe- oder Mehrzweckleiter nur auf angrenzende Ebenen, wenn das obere Ende der Leiter angelehnt ist und mindestens einen Meter übersteht oder wenn am Gebäude Festhaltemöglichkeiten vorhanden sind. Von Stehleitern dürfen Sie gar nicht auf andere Flächen „übersteigen“, so der Fachbegriff.

       

      Leiternzubehör für noch mehr Sicherheit

      Damit die Arbeit auf Leitern sicher und trotzdem praxistauglich vonstatten geht, gibt es einiges nützliches Zubehör, zum Beispiel Einhängehaken für Eimer und Einhängeschalen, Ablageschalen oder Einhängetaschen für Werkzeug und Arbeitsmittel, Holmverlängerungen für den Ausgleich von Höhenunterschieden, Tritte zum Einhängen als zusätzliche Standfläche und rutschfeste Beläge für Sprossen und Stufen. Kaufen Sie aber bitte nur Zubehör und Anbauteile, etwa Handläufe, die zum jeweiligen Leitersystem passen und dafür gemacht sind.

      Halten Sie die oben genannten Tipps zum sicheren Umgang mit Leitern und Tritten ein und Sie sind auf der sicheren Seite. Damit Sie alles gut übersichtlich auf einen Blick haben, laden Sie sich über den Link unten gleich die Checkliste "Sicher arbeiten auf Leitern“ herunter!

       
       
       

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