Baustellen absichern

Basis-Wissen und Leitbaken-Exkurs

Alle sind genervt, aber alle wissen, dass sie nötig sind: Baustellen – egal ob im Betrieb oder auf öffentlichen Straßen – sind oft Geduldsproben für Autofahrer und unübersichtliche Gefahrenstellen für Fußgänger, Radfahrer und für die Bauarbeiter. Doch das muss so nicht sein! Gerade für Baustellen, die den öffentlichen Verkehr betreffen, gibt es genaue Regelungen und Vorschriften, wie sie zu gestalten und zu kennzeichnen sind, damit sie sicher und möglichst wenig beeinträchtigend über die Bühne gehen.

 

Baustellen im öffentlichen Verkehrsbereich: Sicherheit auf allen Seiten bedenken

Die Sicherheit des öffentlichen Verkehrs regeln die Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA). Diese Regelungen legen zum Beispiel Mindestsicherheitsabstände zwischen dem Verkehr und der Absperrung fest. Was zwischen der Absperrung und dem Arbeitsbereich auf der Baustelle an Sicherheitsmaßnahmen beachtet werden muss, steht wiederum woanders geschrieben, nämlich in der Arbeitsstättenverordnung. Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A5.2 „Straßenbaustellen“ konkretisiert die Vorgaben aus der ArbStättV. Das Problem: Seit Jahren gibt es um den Inhalt dieser ASR Gerangel und sie ist bis jetzt nicht offiziell gültig. Und auch die RSA stehen im Ruf, veraltet zu sein … Trotzdem tun Baustellenverantwortliche vom Bauunternehmer bis zum Betriebsinhaber gut daran, sich an den Regelungen zu orientieren, um für Sicherheit zu sorgen. Alle Personen, die Baustellen passieren oder die dort arbeiten, sollten ebenso  aufmerksam sein und sicher handeln.

 

Vorarbeit für Baustellen

Bei einer Baustelle an einer öffentlichen Straße muss der Bauunternehmer einen Verkehrszeichenplan aufstellen, der Basis für die verkehrsrechtliche Anordnung der Behörde ist. Das heißt: Jeder Eingriff in den Straßenverkehr muss von der Behörde (das kann die Polizei oder ein Amt sein) genehmigt werden, wobei ein Gestaltungsplan vorgegeben wird. Diesen muss der Bauunternehmer einhalten – und zwar ganz genau. Auch wer betriebsintern für eine Baustelle verantwortlich ist, muss dafür sorgen, dass diese gut erkennbar, korrekt gekennzeichnet und abgesichert ist.

Welche Abstände zwischen Verkehr und Absperrung und zwischen Absperrung und Arbeitern eingehalten werden sollten, das ergibt eine Gefährdungsbeurteilung. Dabei sind folgende Faktoren einzubeziehen:

  • Die Geschwindigkeit des vorbeifließenden Verkehrs
  • Die Kurvigkeit der Straße
  • Die Ausweichmöglichkeit vom Baustellenarbeiter weg
  • Die Tätigkeit, die der Baustellenbeschäftigte ausführt

Straßenbaustellen müssen außerdem zweimal täglich daraufhin kontrolliert werden, ob alle Sicherheitskennzeichnungen und Absperrungen noch da sind, wo sie hingehören. An arbeitsfreien Tagen muss ein Mal am Tag eine Kontrolle durchgeführt werden. Hat ein Sturm gewütet, ist ebenfalls eine Sicherheitskontrolle nötig.

Allen Baustellen, sowohl öffentlichen als auch betriebsinternen, ist eines gemein: Sie sind ernst zu nehmende Gefahrenstellen und deswegen sollten sie so gestaltet werden, dass sie so viel Sicherheit für alle Beteiligten bieten wie möglich. Hier ist die Trennung von Verkehrsbereich und Arbeitsbereich enorm wichtig. Auf öffentlichen Straßen werden dafür „Fahrzeugrückhaltesysteme“, wie etwa Leitplanken oder Schutzplanken, empfohlen. Für die Kennzeichnung innerbetrieblicher Baustellen sind in der Regel Verkehrseinrichtungen nach Anlage 4 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) besonders geeignet, dazu zählen Schranken, Sperrpfosten oder Leitbaken.

Tipp: Absperketten und Gurtständer sind in der Regel keine ausreichenden Absicherungen, wenn es sich um eine Baustelle handelt. Auf öffentlichen Straßen und Wegen sowieso nicht, und auch im Betrieb sind sie eher für andere Zwecke geeignet. Welche das genau sind, lesen Sie im Fachbeitrag  „Gurtständer und Absperrketten – dafür brauchen Sie sie, darauf müssen Sie achten“.

 

Mit Leitbaken sperren und leiten

Leitbaken sind bei der Baustellenkennzeichnung die geheimen Stars. Wussten Sie, wie vielseitig diese Sperr- und Leiteinrichtungen sind? Sie schützen Arbeiter, sperren Bereiche für den Fahrverkehr und leiten ihn gleichzeitig sicher an der Gefahrenstelle vorbei. Solche Warn- oder Absperrbaken richtig einzusetzen, ist aber gar nicht so leicht. Darauf müssen Sie achten:

  • Die Schraffur auf den Schraffurbaken zeigt die Richtung an, in der der Verkehr vorbeifließen soll. Man spricht entsprechend von rechtsweisenden und linksweisenden Ausführungen. Bei rechtsweisenden Baken geht die Schraffur von links oben nach rechts unten. Sie werden links der Fahrbahn aufgestellt und der Verkehr soll rechts daran vorbeifahren. In der Verwaltungsvorschrift zur StVO heißt es dazu: „Die Zeichen sind so aufzustellen, dass die Streifen nach der Seite fallen, auf der an dem Hindernis vorbeizufahren ist.“
  • Es gibt doppelseitige Baken, das heißt, auf beiden Seiten ist die Streifen-Reflexfolie angebracht. Doppelseitige Baken können rechts-/rechts- oder rechts-/linksweisend sein.
  • Seit 2013 gibt es offiziell zu den Schraffur- auch Pfeilbaken.
  • Die „Standard-Leitbake“ ist 1.000x250 mm groß. „Warnbaken“ sind höher und fest an gefährlichen Stellen, etwa an engen Durchfahrten, anzubringen.
  • Es gibt auch kleinere Baken, die oft auf Leitschwellen und Leitborden eingesetzt werden.
  • Klappbaken können Sie, wie der Name schon sagt, umklappen.
  • Leitbaken müssen voll retroreflektierend sein, mindestens mit Rückstrahlklasse RA 1 (reicht für Nebenstraßen innerorts) oder RA 2 (zum Beispiel auf Autobahnen).
  • Von besonders hoher Qualität und für den Einsatz im öffentlichen Verkehr geeignet sind von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) nach den Technischen Lieferbedingungen für Leit- und Warnbaken geprüfte (TL-geprüfte) Leitbaken. Bei der Prüfung wird darauf geachtet, dass die Baken möglichst wenig Schaden an eventuell aufprallenden Fahrzeugen verursachen  und damit auch möglichst wenig Gefahren für den Fahrzeuginsassen entstehen. Die Bestandteile einer Bake (Fuß, Bakenblatt, Warnleuchte) dürfen sich zum Beispiel auch bei einem Aufprall nicht voneinander trennen.

Die goldene Regel für sichere Baustellen und Arbeitsstellen an öffentlichen Straßen als auch an Verkehrswegen im Betrieb lautet also: Ausreichend Sicherheitsabstände in Kombination mit den richtigen Absperr- oder Leiteinrichtungen sind die Basis für Sicherheit.




Sie finden diesen Fachbeitrag für Ihre tägliche Arbeit nützlich und wollen mehr davon?
Dann fordern Sie gleich den kostenlosen ZUFOR-Newsletter an und Sie erhalten regelmäßig interessante Fakten und hilfreiche Tipps direkt in Ihr E-Mail-Postfach!