Wohin mit dem Abfall im Betrieb?

Gewerbeabfallverordnung gilt für alle Unternehmen!


Auch wenn Ihnen das erst einmal unbekannt vorkommen mag: Das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) geht alle Betriebe an! Das „Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen“ ist die Kernregelung im deutschen Abfallrecht. Ziele sind der Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz.

Das KrWG sieht für den Umgang mit Müll eine fünfstufige Hierarchie vor – die erste ist die beste, die letzte ist die schlechteste Möglichkeit, mit Abfall umzugehen:

  1. Vermeidung von Abfall
  2. Vorbereitung zur Wiederverwertung (also eine Wiederverwendung für denselben Zweck, ohne dass eine Vorbehandlung oder Aufbereitung erforderlich ist)
  3. Recycling (die Aufbereitung von Abfällen für denselben oder einen anderen Zweck)
  4. Sonstige Verwertung (insbesondere energetische Verwertung und Verfüllung)
  5. Beseitigung (Vernichtung des Abfalls, ohne dass ein Nutzen – wie etwa Energie – oder ein neues Produkt entsteht)

Was erst einmal hochtrabend klingt, legt eigentlich nur fest, was bei einem umweltbewussten Verhalten selbstverständlich sein sollte: Am besten ist es, wenn Abfall erst gar nicht produziert wird. Lässt sich das nicht umgehen, sollte er in seinem ursprünglichen Zustand wiederverwendet werden. Ist das nicht möglich, sollte er recycelt werden, danach folgt die sonstige Verwertung und als letzte Option sollte Abfall auf Deponien gelagert oder anderweitig in die Umwelt abgegeben werden.

Die Wiederverwertung und das Recycling haben also einen enorm hohen Stellenwert. Wichtig dafür ist eine korrekte Mülltrennung. Für Privatpersonen ist diese seit 2015 im KrWG vorgeschrieben; sie müssen Altpapier, Altglas, Kunststoffabfälle und Bioabfälle trennen, wobei es dabei noch auf Gesetze und Regelungen auf Landes- oder auf kommunaler Ebene ankommt. Stellt eine Kommune keine Biotonne zur Verfügung, dann ist die Trennung schwierig.

 

Diese Abfallarten müssen Betriebe getrennt sammeln

Wie Betriebe, Baustellen oder Büros mit Abfällen umgehen müssen, ist in der „Verordnung über die Bewirtschaftung von gewerblichen Siedlungsabfällen und von bestimmten Bau- und Abbruchabfällen“, besser bekannt als Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV), beschrieben. Als diese im August 2017 in Kraft trat, ging ein Raunen durch die Betriebe: Nicht nur die neu verlangte Dokumentation sorgte für Aufregung, sondern auch die Mülltrennung wurde ausgeweitet. Dokumentiert werden müssen unter anderem die getrennte Sammlung und die Zuführung zur Vorbereitung zur Wiedeverwendung oder zum Recycling.

Nach diesen Sorten müssen gewerbliche Siedlungsabfälle (unter denen haushaltsähnliche Gewerbeabfälle zu verstehen sind) getrennt werden:

  1. Papier, Pappe, Karton
  2. Glas
  3. Kunststoffe
  4. Metalle
  5. Bioabfälle nach §3 Abs. 7 KrWG
  6. Holz (seit 2017 neu)
  7. Textilien (seit 2017 neu)
  8. Weitere Abfallfraktionen (seit 2017 neu)

Bei Bau- und Abbruchabfällen gilt folgendes Sortiergebot nach 10 Müllsorten:

  1. Glas
  2. Kunststoff
  3. Metalle einschließlich Legierungen
  4. Beton
  5. Ziegel
  6. Fliesen und Keramik
  7. Holz (seit 2017 neu)
  8. Dämmmaterial (seit 2017 neu)
  9. Bitumengemische (seit 2017 neu)
  10. Baustoffe auf Gipsbasis (seit 2017 neu)

Wenn Bau- und Abbruchabfälle die Menge von 10 Kubikmetern nicht überschreiten, fallen sie unter eine Bagatellgrenze – bis zu dieser entfällt die Dokumentationspflicht, getrennt gesammelt werden muss trotzdem. Fallen Sie mit Ihrem Betrieb unter Ausnahmeregelungen, was die Trennung angeht, müssen Sie dokumentieren, warum Sie Ihren Abfall nicht sortieren.

Tipp: Die Pflicht zur Mülltrennung und die Dokumentationspflicht gelten auch für Büros! Hier sind es in der Regel gewerbliche Siedlungsabfälle, die anfallen.

Wer nicht trennt, obwohl er müsste, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldstrafe belegt werden kann.

 

Mülltrennung muss einfach und eindeutig sein

Um Strafen zu vermeiden und um die einfache, übersichtliche und vor allem hygienische Mülltrennung in allen Betrieben möglich zu machen, lohnt sich die Anschaffung von übersichtlichen und eindeutigen Wertstoffsammlern. Diese sind oft als Module oder als Baukastenprinzip erhältlich; sie können also nach den jeweiligen Bedürfnissen erweitert werden. Sogenannte „Wertstoffinseln“ an zentralen Stellen, wie dem Flur oder der Teeküche, sind praktisch. Schließlich braucht nicht jeder Arbeitsplatz ein komplettes Mülltrennsystem mit verschiedenen Abfallbehältern für alle zu trennenden Materialien.

Wertstoffbehälter gibt es aus Kunststoff oder Stahl und in den verschiedensten Größen. Wählen Sie die Behälter wenn möglich in den Farben, die für die Mülltrennung auch im privaten Bereich üblich sind. Gelb für Verpackungen, grün für Bioabfall, grau für den Restmüll und blau für Papier und Pappe. Dann funktioniert das mit der Müllsortierung im Betrieb ganz von allein!

Wenn der Abfall gut getrennt ist, ist das schon die halbe Miete für eine umweltfreundliche Entsorgung und Verwertung bzw. für das  Recycling. Wer nicht selbst sortieren möchte, kann auf Sortierbetriebe zurückgreifen. Für Bauabfälle kann das sinnvoll sein – im kleinen Büro natürlich weniger.

Neben der GewAbfV gibt es weitere wichtige Rechtsverordnungen zum Umgang mit Abfall, beispielsweise die Abfallverzeichnis-Verordnung (hier werden Abfälle nach Branchen, Wirtschafts- und Industriezweigen in bestimmte Kategorien mit dazugehörigen Abfallschlüsselnummern eingeteilt und gefährliche Abfälle definiert), die Altholzverordnung, das Elektro- und Elektronikgerätegesetz … Auch das Gefahrgutrecht ist eng mit dem Abfallrecht verwoben. Ob Betriebe einen Abfallbeauftragten bestellen müssen, wer diesen Job übernehmen kann und welche Rechte, Pflichten und Ausbildung dieser haben muss, ist in der Abfallbeauftragten-Verordnung festgelegt.

 
 

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