Gabelstapler sicher fahren – mit Checklisten-Download

12 Punkte für mehr Sicherheit im innerbetrieblichen Verkehr


Sie passieren andauernd, auch wenn sie keine großen Wellen schlagen: Unfälle, die mit Gabelstaplern zu tun haben, gehören in Lagern und auf Betriebswegen leider zum Arbeitsalltag. Die Redaktion von ZUFOR-Wissen verrät Ihnen, worauf Sie achten müssen, um solche Staplerunfälle zu verhindern.

Gabelstapler gehören zu den „Flurförderzeugen mit Fahrerstand oder Fahrersitz“. Im Gegensatz zu Mitgängerflurförderzeugen, bei denen eine Person nebenher läuft, fährt man also auf Gabelstaplern. Aus der Intralogistik sind die flinken und nützlichen Transport-Fahrzeuge nicht mehr wegzudenken. Ist ein Stapler für den öffentlichen Verkehr zugelassen, darf er sogar auf die Straße. Dass Stapler technisch einwandfrei und sicher sein sollten, ist selbstredend. Aber auch die Mitarbeiter, die sie fahren sollen, müssen ein paar Dinge erfüllen. Dabei taucht immer wieder diese Frage auf:

Brauche ich einen Staplerschein?

Diese ist ganz einfach zu beantworten: Ja.

 

Wer darf einen Gabelstapler fahren?

Laut der DGUV-Vorschrift 68 „Flurförderzeuge“ dürfen nur Personen Gabelstapler bedienen, die

  • entsprechend ausgebildet sind. Außerdem müssen sie
  • mindestens 18 Jahre alt sein (Ausnahmen gibt es für Auszubildende) sowie
  • körperlich und geistig dafür geeignet sein und
  • ihre Befähigung nachgewiesen haben.

Was genau die Ausbildung beinhaltet, ist im DGUV-Grundsatz 308-001 „Ausbildung und Beauftragung der Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrersitz und Fahrerstand“ geregelt. „Die Benutzung eines Staplers durch einen Beschäftigten ohne die entsprechende Qualifikation (,Staplerführerschein‘) ist nicht zulässig.“ Außerdem empfehlen Experten, spezielle Regelungen zu treffen, dass für Beschäftigte, die Gabelstapler fahren, absolutes Alkoholverbot gilt.

 

Tipp: Die körperliche Eignung kann durch eine G25-Eignungsuntersuchung (Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten) nachgewiesen werden. Diese ist aber keine Voraussetzung und nicht gesetzlich oder von den Berufsgenossenschaften vorgeschrieben. Sie darf keine Pflicht sein, sollte Beschäftigten, die Stapler fahren, aber angeboten werden. 

 

Diese Gefahren gibt es …

Beim Staplerfahren gibt es einige Gefährdungen. Die größte ist das Umkippen – deswegen sind Rückhaltesysteme, also Gurte oder Bügeltüren, vorgeschrieben. Besonders wenn man schnell fährt, entstehen außerdem Vibrationen, die zu Rückenproblemen führen können. Auch Dritte sind natürlich in Gefahr, wenn der Gabelstaplerfahrer sie übersieht.

 

… und so begegnen Sie ihnen!

Damit nichts passiert, befolgen Sie einfach diese 12 goldenen Gabelstaplerfahrer-Regeln – die Sie sich übrigens am Ende dieses Beitrags kostenlos als PDF herunterladen können:

1. Ausbildung und schriftliche Beauftragung: Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass nur geeignete und ausgebildete Personen Gabelstapler bedienen. Die Fahrer müssen außerdem schriftlich beauftragt werden.

2. Unterweisungen: Staplerfahrer müssen mindestens einmal pro Jahr unterwiesen werden.

3. Sicht- und Funktionsprüfung: Die Staplerfahrer selbst müssen ihr Fahrzeug vor Arbeitsbeginn überprüfen. Hierzu ist eine Checkliste geeignet, damit nichts vergessen geht. Defekte an Flurförderzeugen müssen sie dem Vorgesetzten melden.

4. Aus dem Verkehr ziehen: Defekte Stapler sollten sofort aus dem Verkehr gezogen werden.

5. Sichere Verkehrswege: Grundsätzlich müssen die Wege von Staplern und Fußgängern getrennt werden, etwa mit Bodenmarkierungen in Form von staplergeeignetem Markierband oder auch mit Geländern. An Kreuzungen, Ausfahrten und anderen schlecht einsehbaren Stellen helfen zum Beispiel Halbkugelspiegel, um einen besseren Überblick zu bekommen. Damit wären wir beim nächsten Punkt:

6. Gute Sicht ist essenziell für den sicheren Staplerverkehr. Fahren Sie umsichtig und nur, wenn Sie die Lage im Blick haben – auch beim Rückwärtsfahren! Hupen Sie im Zweifelsfall, um auf sich aufmerksam zu machen. Und: auch ein Gabelstapler hat einen toten Winkel! Die beste Sicherheitsmaßnahme ist hier ein Gabelstaplerspiegel. Damit können Sie Personen im toten Winkel oder beim Rückwärtsfahren wesentlich besser sehen.

7. Angemessenes Tempo: Natürlich ist die Unfallgefahr höher, wenn Staplerfahrer zu schnell unterwegs sind. Sie sehen Hindernisse dann oft zu spät und der Anhalteweg wird länger, je schneller der Stapler ist. Wer die bis zu 40 km/h ausreizt, die manche Stapler fahren können, ist im Lager definitiv zu schnell unterwegs und handelt fahrlässig! Ein weiterer Grund für ein angemessenes Fahrtempo: Ist ein Stapler beladen, ändern sich seine Fahreigenschaften.

8. Kippgefahr vermeiden: Besonders bei Fahrten auf Rampen, auf unebenen Untergründen sowie bei Fahrten mit Last ist die Kippgefahr am größten. Auch die Tragfähigkeit des Staplers sollte nicht überschritten werden, um die Gefahr des Kippens zu minimieren. Passiert es dennoch, raten Experten dazu, dass der Fahrer im Stapler bleibt und nicht versucht, herauszuspringen. Die Gefahr, dabei vom Schutzdach oder vom Hubmast verletzt oder sogar erschlagen zu werden, ist groß.

 

Tipp: manche Berufsgenossenschaften bieten Kippsimulatoren an, so zum Beispiel die BGHW. Wer am eigenen Leib erlebt hat, wie sich ein solcher Unfall anfühlt, wird vorsichtiger handeln!

 

9. Ladungsstabilität: Die Ladung sollte so weit unterfahren werden, dass sie bei Aufnahme am Gabelrücken anliegt. Sie muss außerdem gesichert werden. Trotzdem sollten Sie abruptes Anfahren, Bremsen oder Lenken vermeiden. Sie dürfen das Fahrerhaus außerdem bei angehobener Last nicht verlassen. Merken Sie sich einfach diese Faustregel: Je höher eine Ladung angehoben wird, desto instabiler wird das Fahrzeug.

10. Fahrerassistenzsysteme: Es gibt einige FAS, die Stapler in bestimmten Bereichen oder bei bestimmten Arbeiten regulieren, also zum Beispiel das Tempo reduzieren oder die Last senken. Solche technischen Helferlein können sehr nützlich sein!

11. Fahrverhalten beachten: Stellen Sie sich darauf ein, dass sich das Fahrverhalten eines Flurförderzeugs ändert, wenn es beladen ist. Wenn Sie Stapler-Anbaugeräte verwenden, müssen Sie nicht nur damit rechnen, dass sich der Stapler anders verhält, sondern es verändern sich auch die Abmessungen.

12. Unbefugte Nutzung: Um diese zu verhindern, sollten Gabelstapler nicht mit steckendem Schlüssel abgestellt werden. Legen Sie einen bestimmten Stellplatz im Lager fest, an dem der Stapler mit abgezogenem Schlüssel zum Feierabend geparkt wird.

 

Tipp: Seit 2016 können sich Ausbilder von Staplerfahrern, von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zertifizieren lassen. In regelmäßigen Aktionen fördert die BGHW die Erstzertifizierung.

 
 
 

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